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Historisches

Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Braunfels - 1879–1999

Am 27.01.1879 wurde die Freiwillige Feuerwehr Braunfels mit Unterzeichnung der Statuten der neuen Wehr durch den damaligen Bürgermeister Weber gegründet.

Erster Kommandant der aus Freiwilligen Feuerwehr und Feuerrotte, später Pflichtfeuerwehr, bestehenden Gesamtwehr war Hofhaltungsekretär Carl Schellenberg.

Sein Nachfolger wurde bis nach 1900 Wilhelm Schellenberg.

Als erster Hauptmann bis 1883 wird in den Analen Wilhelm Gadebusch erwähnt. Diesen folgte Friedrich Faber I. 1883-94. 1884 - 99 Seiler, Carl, 1899 - 1907 Kurz, Friedrich, 1907 - 1917 Wagner, Karl.

1917 wurde die Dienstbezeichnung „Hauptmann“ durch die Bezeichnung “Ortsbrandmeister bzw. Wehrführer”, die noch bis zum heutigen Zeitpunkt Verwendung findet, abgelöst.

Die Wehrführer, Hauptmänner und Kommandanten, von 1879 bis 1997, finden sie hier.

Zum Wehrführer wurde Wilhelm Kurz gewählt. Während seiner Dienstzeit, die 1949 endete, wurde auch der Umzug aus dem bisherigen Geräteschuppen, am Jahnplatz, auf das Gelände des ehemaligen RAD-Lagers (heutiger Standort „Haus des Gastes“) durchgeführt.

Auch das hat es schon früher einmal gegeben. Unser Spielmannszug in den 50er Jahren.

Die Unterkunft bestand aus drei Garagen, einem Aufenthaltsraum mit darüberliegender Wohnung für den Gerätewart.

Ein Novum für damalige Verhältnisse. Nach dem 1949 Willi Hoffmann die Leitung der Wehr übernahm, konnte dieser im Jahre 1950 aus einer Sonderserie der Landesbeschaffung ein Tanklöschfahrzeug mit eingebauter motorgetriebenen 1600 Liter-Pumpe, der Firma Magirus übernehmen, welches bis Anfang der 80er Jahre seinen Dienst versah.

Ein Tragkraftspritzenfahrzeug sowie ein Tanklöschfahrzeug ergänzten den Fuhrpark der Wehr in dieser Zeit. 1962 übernahm Walter Glaßner das Amt des Wehrführers und bekleitete dieses bis 1968.

Erste Übung mit dem neu angeschafften Tanklöschfahrzeug

Bei anstehenden Anschaffungsobjekten war der Erwerb einer Kraftfahr-Drehleiter stets erforderlicher Mittelpunkt. Nach Überwindung der Schwierigkeiten zur Finanzierung, konnte die alte Drehleiter (DL 30) der Feuerwehr Wetzlar erworben werden. Sie fand ihre Unterkunft im ehem. Marstall in den Anlagen des Schlosses.

Neben vielen Einsätzen, nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen, wurde sie auch beim großen Schlossbrand in Weilburg eingesetzt. Nach diesem Einsatz konnte ein technischer Defekt am Motor, aus Ersatzteilmangel (Baujahr 1938), nicht mehr instand gesetzt werden.

1968 übernahm Karl Reinhardt die Leitung der Wehr. In dieser Zeit wurden die ersten Umluftunabhängigen Atemschutzgeräte in Dienst gestellt, welche nach 27 Jahren Einsatztätigkeiten durch die 2. Generation ersetzt wurden. Nach nur 1 ½ - jähriger Tätigkeit mußte Karl Reinhardt seine Wehrführertätigkeit aus beruflichen Gründen, an seinen Stellvertreter Wilhelm Heinz übergeben. Welcher dieses Amt kommissarisch bis 1970 bekleidete. 1970 wurde er dann zum neuen Wehrführer gewählt. Auch ein Großbrand, der das Anwesen des Gasthauses Krimmel in der Borngasse teilweise zerstörte, fiel in seine Amtszeit. Der Sachschaden belief sich auf über 100.000 DM.

Die Gründung der Jugendfeuerwehr (Januar 1972) die auf maßgebliches drängen von Karl-Heinz Gabriel vom damaligen Wehrführer Wilhelm Heinz ins Leben gerufen wurde, bildet bis zum heutigen Tage, wie auch die Alters- und Ehrenabteilung, einen festen Bestandteil in der Feuerwehr Braunfels.

1973 wurde Wilhelm Heinz von Willi Reinhardt als Wehrführer abgelöst.

Ein erneuter Großbrand in der Borngasse, Hotel Cornelius, im Jahre 1972, forderte die Feuerwehr ein weiteres Mal.

Schlossübung 1973

Zur großen Freude der Braunfelser Wehr wurde der neugebaute Feuerwehrstützpunkt im Hüttenweg, am 14.12.1974, durch den damaligen Hess. Innenminister Bielefeld, an den Wehrführer Willi Reinhardt, übergeben. Gleichzeitig wurde die Feuerwehr Braunfels zur Stützpunktfeuerwehr ernannt.

Zu Beginn des Jahres 1975 wurde die stille Alarmierung durch Funkalarmempfänger eingeführt, diese ersetzte den Sirenenalarm.

Nach dem Reinhold Grimm das Amt des Wehrführers von 1975 bis 1976 kommissarisch bekleidete, übernahm Paul Glaßner im Jahre 1976 dieses Amt, welches er bis 1981 inne hatte.

Schon in seinem ersten Jahr konnte er einen Rüstwagen und einen Schlauchwagen, die der Stützpunktfeuerwehr vom Land Hessen zur Verfügung gestellt wurden, übernehmen.

Unter seiner Führung mußten die bisher größten Brände, in der Tennishalle 1976 und der zweite Brand im Schloßhotel 1978, neben vielen anderen Brand- und Hilfeleistungseinsätzen bewältigt werden. Dabei entstanden Schäden in Millionenhöhe. Auch im nachfolgendem Jahr kam es zu einer Brandkatastrophe im Stadtteil Bonbaden, wobei 4 Menschen ihr Leben verloren.

1979 wurde die Einrichtung “Ärztlicher Notdienst” in zur Verfügung gestellten Räumen der Feuerwehr ins Leben gerufen. Sie ist für die Versorgung von ca. 45.000. Bürgern im Umkreis von Braunfels, an Sonn- und Feiertagen, auf einer Fläche von 189 km², tätig. Der Dienst in der Zentrale wird von Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr durchgeführt. Neben dieser Tätigkeit wird auch der Telefon- dienst der Stadt Braunfels mitübernommen.

1981 begann die 16 jährige Ära von Manfred Glaßner als Wehrführer der Feuerwehr Braunfels, unserem heutigen Stadtbrandinspektor. Kurz nach seiner Wahl, mußte das neu angeschaffte Löschgruppenfahrzeug sowie ein Schlauchboot bei der Hochwasserkatastrophe in Bonbaden bereits eingesetzt werden.

1982/83 waren die Jahre mit den höchsten Einsatzzahlen. 157 mal wurde die Feuerwehr Braunfels im Jahre 1982 alarmiert. Als herausragende Einsätze müssen erwähnt werden, zum einem eine Gasexplosion in einem Wohnhaus in der Wintersburg sowie am 30.06.1982 der Brand im Schloß, zu der auch die Wehr aus Wetzlar und die Berufsfeuerwehr aus Gießen alarmiert wurden. Hierbei ist zu erwähnen, daß die Anfahrtszeiten durch Falschparker erheblich verlängert wurden. 1983 erhöhten sich die Einsatzzahlen nochmals auf 182.

1985 konnte jedem Mitglieder der Einsatzabteilung die vorgeschriebene Schutzkleidung zur Verfügung gestellt werden. Trotz einer schnellen Eintreffzeit, von 3 Minuten, war ein hoher Brandschaden bei der Firma Autohaus Maurer, im Jahre 1986, leider nicht zu vermeiden.

Die Anschaffung der 2. Generation von Funkalarmempfängern (stille Alarmierung - keine Sirene), 2 Chemikalienschutzanzügen und der Ausbau des Dachgeschosses, im Stützpunkt Braunfels, der in Eigenarbeit durchgeführt wurde, sollte in diesem Jahr nicht unerwähnt bleiben.

Auch über die Stadtgrenzen hinaus, werden die Einsatzkräfte der Feuerwehr Braunfels, auf Kreisebene, im Katastrophenschutz und bei der Nachbarschaftshilfe zu Einsätzen jeglicher Art mit angefordert. Dies zeigte sich wieder einmal mehr, beim Großbrand der Firma Hultsch in Weilburg, am 27.02.1989. Bei einer Einsatzdauer von über 6 Stunden wurden ca. 600 Liter Schaummittel verbraucht. Schnee, Regen und Kälte verlangte letztes den Einsatzkräften ab.

Die bis 1994 angeschafften Einsatzgeräte Umweltschutzanhänger, Einsatzleitwagen I, Löschgruppenfahrzeug 8/6 wurden auch bei den Gefahrguteinsätzen, Ammoniakaustritt Brauerei, Gasexplosion Feriengebiet eingesetzt.

1996 fand der Rüstwagen der unseren Kameraden in Kiskunfélegyháza (Ungarn), zur Verfügung gestellt wurde, eine neue Heimat. Er wurde durch eine Ersatzbeschaffung gleichzeitig mit einem Gerätewagen - Nachschub ersetzt.

Die vom Lande Hessen angeschafften Feuerschutzanzüge (Diese bieten Schutz vor großer Hitze und Flammenbeaufschlagung, Kosten pro Stück ca. 1.000 DM) fanden ihre Auslieferung.

1997 wurden 6 Kameraden unserer Wehr bei einem Einsatz im Ausland (Oder-Hochwasser / Polen) eingesetzt. Die Führung unserer Wehr hatte zu diesem Zeitpunkt Michael Rack übernommen.

Die technische Ausrüstung wurde 1998 durch folgende Gerätschaften vervollständigt: Hochleistungslüfter, 4 Automatische Notsignale für Atemschutzgeräteträger sowie weitere 6 Feuerschutzanzüge. Die Alarmierungshäufigkeit belief sich auf 111 Einsätze bei ca. 1515 Einsatzstunden. Auch die Rettung von Personen nach schweren Verkehrsunfällen gehört zur Aufgabenstellung unserer Feuerwehr. Leider konnten einige Unfallopfer nur noch tot geborgen werden. Doch viele verdanken ihr Leben der Rettung der Feuerwehr.

Nicht unerwähnt bleiben sollten hier, die partnerschaftlichen Beziehungen zu den Wehren aus Bagnols-sur-Céze (Frankreich), Eeklo (Belgien) und Kiskunfélegyháza (Ungarn).

Ein weiterer Zweig bildete sich 1983 durch Anschluß der damals bestehenden Stadtkapelle an die Feuerwehr. Seit dem musiziert das Blasorchester mit 33 aktiven Männern und Frauen bei vielen Gelegenheiten im heimischen Raum, aber auch im Ausland. Es konnte dort seine Qualitäten im Namen der Feuerwehr, aber auch der Stadt Braunfels, unter Beweis stellen. Seine Leitung teilen sich Herbert Bender und Edgar Sterkel.

Der Fahrzeugpark der Freiwilligen Feuerwehr Braunfels im Jahre 1999 vor dem Feuerwehrstützpunkt im Hüttenweg.